aktuelle Seite >> Felsentauben

Felsentauben und Stadttauben

Die Stadttaube, eine verwilderte Haustaube

Stadttauben, die heute alle Großstädte der Welt besiedeln, sind keine Wildtauben, sondern verwilderte Haustauben. Die Stammform aller Haustaubenrassen ist die Felsentaube. Sie lebt noch heute wild im Mittelmeerraum, in Nordwesteuropa und in Ostasien und ist immer menschenscheu. Felsentauben brüten in Felsnischen, Grotten und Ruinen, nie aber in Baumhöhlen (wie die Hohltaube) oder im Geäst von Bäumen (wie die Türkentaube). Für die Stadttauben sind hohe Häuser, Türme, Mauern und Brücken Felsenersatz. Sie bauen ihre wenig kunstvollen Nester in Mauernischen, auf Eisen- und Betonträgern, in offenen Dachböden oder auf Balkonen.

 

Das Nisten auf Bäumen ist ihnen, wie ihren Vorfahren, von Natur aus nicht möglich.

Das immer wieder geforderte Umsiedeln von Stadttauben in das wenig besiedelte Umland mit Baumbeständen kann aus diesen Gründen nicht gelingen.

Der Mensch hat die Felsentaube verändert

Der Mensch hat in einer 6500 Jahre andauernden Domestikation die Felsentaube durch Züchtung nach seinen Vorstellungen geformt. Er hat ihre Fruchtbarkeit gesteigert, ihre Scheu vor dem Menschen gemindert und eine große Zahl von Rassen geschaffen. Diese veränderten Tauben haben sich im Laufe der Zeit immer auch wieder in den Städten niedergelassen, sich verpaart und eine Vielfalt von Taubenpopulationen hervorgebracht. Nur die Tauben konnten überleben, die sich den Lebensbedingungen der Stadt angepaßt haben.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Felsentaube und Stadttaube

  • Felsentauben haben wie andere Wildvögel einen Brutzyklus. Sie brüten zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal, maximal fünfmal. Stadttauben aber brüten ganzjährig (bis zu sieben Bruten).
  • Felsentauben werden erst nach einem Jahr geschlechtsreif. Stadttauben erlangen die Geschlechtsreife bereits nach sechs Monaten.
  • Felsentauben ernähren sich ausschließlich von Samen (Getreide, Wildgräser), Stadttauben entwickeln sich unter den Bedingungen des Stadtlebens immer mehr zu Allesfressern.

Felsentauben und Stadttauben haben noch vieles gemeinsam

  • Die Tauben legen im Abstand von zwei Tagen je zwei Eier. Die Brutzeit beträgt 17 - 18 Tage.
  • Es besteht eine starke Partnerverbindung (lebenslange Einehe).
  • Die Elterntiere brüten abwechselnd, der Täuber immer in den Mittagsstunden.
  • Beide Elterntiere füttern: in den ersten Tagen mit Kropfmilch, später mit eingeweichten Körnern.
  • Die Selbständigkeit ist mit 30 - 35 Tagen erreicht.
  • Die Sterblichkeitsrate beträgt 85-88%, d.h. nur etwa jede siebte Taube erreicht das erste Lebensjahr.

In den Städten herrscht immer mehr Mangel an geeigneten Brutplätzen

Durch die zunehmende Sanierung oder Renovierung von Gebäuden, die Schließung von Dachböden und die Einrichtung von Abwehrmaßnahmen an betroffenen Gebäuden wird das Brutplatzangebot für Tauben immer weiter eingeschränkt. Die Tauben sind gezwungen, ungeeignete Brutplätze anzunehmen und eng gedrängt zu brüten. Die Massierung der Tauben auf wenige Plätze hat eine starke Kotbelastung der Gebäude zur Folge. Dies führt zu erneuter Vertreibung und zu weiterer Konzentrierung der Tiere an den wenigen verbliebenen Brutplätzen. Die Überbesetzung führt zu Streß und Aggressivität, die das Auftreten von Krankheiten und Parasiten begünstigen.

Der Körnerfresser entwickelt sich immer mehr zum Allesfresser

Die Tauben sind von Natur aus Körner- und Samenfresser, entwickeln sich aber in der Stadt an Mangel an artgemäßem Futter immer mehr zu Allesfressern, was Mangelernährung zur Folge hat. Sie picken auf, was irgendwie freßbar ist (etwa auch Waffeln, Schokolade, Fleisch) und sind oft noch nachts auf Futtersuche. Ihre wichtigste Nahrungsquelle sind die Futtergaben der Tierfreunde, die oft nicht artgemäß sind. Weitere Futterquellen sind die Gaben von Menschen, die im Freien essen und die Essensreste aus der Freiluftgastronomie, an Imbißständen, auf Schulhöfen oder Märkten. Besonders schlimm ist die Situation im Winter. Beim Aufpicken auch noch der kleinsten Krümel, setzen sich die Tauben den Gefahren des Verkehrs aus und bezahlen oft mit dem Leben. Das vitamin- und mineralstoffarme Futter sowie der mit der Futtersuche verbundene Streß haben Mangelernährung und Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten zur Folge.

Die schwierige Versorgung mit Wasser

Ein besonderes Problem für die Stadttauben ist die Versorgung mit Trinkwasser. Im Winter dient zeitweise Schnee als Wasserersatz. Vielfach sind Tauben genötigt, sich mit Wasser aus schmutzigen Pfützen, ja sogar mit ausgekippten, chemiehaltigem Putzwasser zu versorgen.

Zusammenfassung und Ausblick

  • Nur die Tauben, die sich den harten Bedingungen des Stadtlebens anpassen können, überleben und sind weitgehend frei von Krankheiten.
  • Aus der Sicht des Tierschutzes und der von Stadttaubenproblemen betroffenen Bürger ist es nötig, den Tauben in der Stadt die Verwirklichung der elementaren Lebensbedürfnisse zu gewähren.

Das bedeutet:

  • Einrichtung von betreuten Taubenschlägen mit Gelegekontrolle, Versorgung der Tauben mit artgemäßem Futter und frischem Wasser sowie Kotentsorgung
  • Einrichtung von kontrollierten Futterplätzen, verbunden mit der Aufforderung, wildes und falsches Füttern zu unterlassen
  • Kompetente Beratung bei Problemen mit Stadttauben

Mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Reichert, Pflugstraße 30, 86719 Augsburg, Tel.+Fax: 0821-86994 Bundesarbeitsgruppe (BAG) Stadttauben (AG bei "Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner" e.V.)

Dieser Artikel als PDF zum Downloaden





 

 

© Tierschutzverein Hanau und Umgebung e.V. - 2015 - Wir sind Mitglied im Deutschen Tierschutzbund und Landestierschutzverband Hessen