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"Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit"(Albert Schweitzer)

Unsere Mitbewohner, die Stadttauben, müssen viele Verleumdungen über sich ergehen lassen. Sie werden als "Schädlinge", "Salmonellenbomber" oder "Ratten der Lüfte" abgestempelt - verjagt, getötet oder ausgehungert. Mensch und Taube haben eine Jahrtausend alte gemeinsame Geschichte und gehörten einst zu unseren Lieblingen wie Hunde und Katzen. Kein anderes Lebewesen ist so symbolträchtig wie die Taube. Die anmutigen Vögel gelten weltweit als Symbole für Sanftmut, Schönheit, Treue, der geistigen und erotischen Liebe und der Reinheit. Im frühen Christentum verkörpert sie die Seele der Verstorbenen, später wurde sie zum Zeichen des Heiligen Geistes.

1949 kündigte Pablo Picassos Lithographie "Die Taube" die Pariser Weltfriedenskonferenz an. Die Friedenstaube wurde weltweit anerkanntes Symbol für den Frieden und um seine Bemühung. Seine Tochter nannte er aus Liebe zu den Tauben "Paloma".

Auch in Märchen und der Mythologie spielten sie eine große Rolle. Sie war Tempel- und Opfertier gleichzeitig, wurde als Götterbote in Vogelgestalt verehrt. Es wurden Gedichte über sie geschrieben, sie wurde in Liedern besungen und auch gemalt - in Stein gemeißelt, auf Goldmünzen geprägt, auf unzähligen Briefmarken, Ansichtskarten und Glückwunschkarten verewigt.

Heute jedoch fühlen sich viele Menschen durch futtersuchende Tiere belästigt oder gesundheitlich gefährdet, ihr Gegurre und Geflattere wird oft als Lärmbelästigung empfunden. Kranke und verletzte Tiere im Stadtbild rufen Abscheu statt Hilfe hervor. Etwas mehr Menschlichkeit im Umgang mit den friedlichen und zutraulichen Lebewesen wäre gefragt. Stadttauben führen Tag für Tag einen Kampf ums Überleben.

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung sind Stadttauben keine Wild-, sondern Haustiere, die den Anforderungen der freien Wildbahn nicht mehr in vollem Umfang entsprechen. Stadttauben sind keine eigene Spezies. "Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen" (Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/96). "Den stärksten Anteil am Zuflug zu den vorhandenen Stadttaubenschwärmen haben heute verirrte und erschöpfte Brieftauben. Dies ist allein schon in der großen Zahl, aber auch der Streuung der verflogenen Tiere begründet." (Landesamt für Umweltschutz Baden-Württemberg 1995).

Wie überall, wo der Mensch in die Natur eingreift, hinterläßt er Chaos. Der Mensch hat die Stammform, die Felsentaube (columba livia), vor Jahrtausenden der Natur entnommen und für seine Bedürfnisse zurecht gezüchtet (domestiziert), wozu auch eine besonders ausgeprägte Fortpflanzungsfähigkeit gehört. Jahrtausende lang wurden Tauben als "Nutz"-Tiere gehalten (u.a. als hochwertiger Dünger- und Fleischlieferant), aufgrund der Ortstreue und des ausgeprägten Orientierungssinnes seit der Antike als Boten hochgeschätzt. Die Römer hielten sie in riesigen Columbarien mit bis zu 50'000 Tieren. Als Sinnbild der Herrschaft wurden während der Französischen Revolution Tausende von Taubenhäusern und -türmen zerstört. Im Krieg wurden sie, mit Minikameras ausgerüstet, als Spione im feindlichen Gebiet eingesetzt. Seit ihrer Domestikation befreiten sich immer wieder Tauben aus der Obhut des Menschen. Entflogene, erschöpfte, verirrte und ausgesetzte Tiere (z.B. Schließen von Taubenschlägen) siedelten sich in Städten an. Die Anpassungsfähigkeit der sehr intelligenten Tiere an noch so schlechte Lebensbedingungen haben die Populationen überleben lassen. Die Stadt ist zum Lebensraum für die Tauben geworden, da sie, genetisch bedingt, auf felsenartige Örtlichkeiten angewiesen sind. Sie sind "Gefangene" der Stadt und regelrecht verdammt dazu mit uns zu leben. Wo also immer ein Problem mit Stadttauben entsteht, ist es von Menschen verursacht und darf nicht zu Lasten der Tiere gelöst werden.

Der Mythos von den Krankheiten

Durch unsachliche, aufhetzende Berichte in den Medien werden Tauben leider immer wieder in völlig überzogener Darstellung als Krankheitsüberträger und Gebäudezerstörer bezeichnet und verstärken ihr Negativ-Image. Zusätzlich werden durch regelrechte Hetzkampagnen gewisser Interessengruppen Ängste und Aggressionen bei der Bevölkerung geschürt. Grundsätzlich können alle Lebewesen Krankheiten übertragen. Das Risiko einer Ansteckung für den Menschen ist jedoch unter anderem stark abhängig von der Intensität des Kontaktes zu den Tauben, ihrem Kot und Staub. Die im Taubenkot nachgewiesenen Salmonellen-Erreger beispielsweise sind rein tierartspezifisch und auf den Menschen so gut wie nicht übertragbar. Nach einer Aussage des Berliner Senators für Gesundheit und Umweltschutz im Jahre 1976 gehören verwilderte Haustauben nicht zu den Tieren, die entsprechend ihrer Art, Lebensweise und Verbreitung dazu neigen Krankheitserreger auf den Menschen zu übertragen. In einer Stellungnahme des ehemaligen Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. Großklaus von 1989 heißt es: "Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere". Diese Aussage wurde 1999 durch das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin bestätigt. Die Einstufung der Taube als "Schädling" (Bundesseuchengesetz 1966) wurde bereits 1989 aufgrund neuer Forschungsergebnisse zurückgenommen.

Stadttauben als Gebäudezerstörer

Sicher sind die Hinterlassenschaften der Taube keine Augenweide und der Ärger über verkotete Gebäude ist verständlich. Taubenkot wird verstärkt zum ästhetischen Problem, wenn den Tauben die artgerechte Nahrung entzogen wird, wodurch sie erkranken und dann durchfallähnlichen Kot absetzen. Der Kot einer gesunden Taube ist von fester Substanz. Nach wissenschaftlichen Gutachten beträgt die Beeinträchtigung durch Taubenkot nur 0,5 % der Gebäudezerstörung. 99,5 % der Schäden sind auf Aktivitäten der Menschen (u.a. Auto- und Industrieabgase) und natürliche Verwitterung zurückzuführen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege stellte hierzu fest: Weitaus gravierender sind die "indirekten Schädigungen". Aufgeführt werden Schäden, die durch die Taubenabwehr entstehen, so zum Beispiel durch "Bohrungen für Taubenstifte, Taubennetze etc.", die Dauerschäden hinterlassen oder durch Reinigung mit "aggressiven Methoden", um der "Geruchsbelästigung" vorzubeugen.

"Taubenkot ist ein ästhetisches und hygienisches Problem. Durch Taubenkot können Verunreinigungen u.a. von Gehwegen, Straßen und Gebäuden entstehen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme wirkt er nicht zersetzend auf Bausubstanzen wie Beton, Sandstein, Klinker, Ziegel oder Nadelholz. Der PH-Wert bewegt sich im schwach sauren Bereich". (Technische Universität Darmstadt, Institut für Massivbau, Prüfungsbericht Nr. 195.04 vom 26.08.2004: Einfluss von Taubenkot auf die Oberfläche von Baustoffen.)

Anläßlich eines Ermittlungsverfahrens von 1987 gegen einen mutmaßlichen Taubenvergifter äußerte sich die Offenburger Staatsanwaltschaft: "Mit den unangenehmen Folgen des Taubenkots muß eine Gesellschaft, die ihrerseits Natur, Umwelt und Gesundheit in einem unvergleichlich höheren Maße gefährdet und zerstört, leben können."

"Was die Tauben in 5000 Jahren nicht geschaffen haben, schafft der Mensch in wenigen Jahrzehnten und schämt sich nicht, dafür die Tauben verantwortlich zu machen und sie umzubringen!" (Sonja Roster, Autorin).

Fütterungsverbote

Der Ornithologe Prof. Dr. Jürgen Nicolai, ehemals wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Vogelforschung, rechnet totale Fütterungsverbote für Stadttauben den Tötungsmethoden zu. Weil sie Tiere dem langsamen Hungertod ausliefern, stellen sie als Tierquälerei einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar: "Durch die Jahrhunderte lange Bindung an den Menschen und seine Städte sind Stadttauben in ihrem Nahrungserwerb völlig auf den Menschen angewiesen". Ein Vertreibungseffekt in die freie Landschaft ist durch Fütterungsverbote nicht zu erzielen, da Stadttauben aufgrund ihrer Standorttreue, ihres eingeschränkten Aktionsradius von wenigen 100 Metern, sowie ihrer genetischen Veranlagung nicht in der Lage sind, außerhalb der Städte zu leben. Die Natur hält für die Stadttauben in der Stadt so gut wie kein Futterangebot bereit, schon gar nicht im Winter. Eine Verringerung des Nahrungsangebotes führt vielmehr dazu, dass die Stadttauben sich in der Nähe von Essensresten und Abfällen konzentrieren, also in den Innenstädten. Fütterungsverbote richten sich ausschließlich gegen das Füttern von Tauben. Die stark zunehmende, immer mehr Abfälle produzierende Freiluftgastronomie und der auf der Straße essende Mensch bleibt davon jedoch unberührt. Tauben finden den noch kleinsten Krümel, der auf den Boden fällt. Außerdem führen die mit den Fütterungsverboten bei den Tauben eintretenden Mangelerscheinungen dazu, dass die Tauben flüssigeren Kot ausscheiden, der zu größeren Verschmutzungen führt, als der Kot artgerecht gefütterter Tauben. Eine artgerecht gefütterte Taube hat eine gesunde Immunabwehr. Artgerechtes Futter für Tauben besteht aus Körnern und Sämereien. Ursprünglich suchten sie sich während der Vegetationsperiode ihr Futter auf den Feldern. Es gehörte auch zum guten Ton der Menschen sie, u.a. vor dem Kirchgang, zu füttern. So lassen sich auch heute noch in der "Taubenstadt" Venedig zahlreiche Touristen mit Vorliebe beim Füttern dieser Tiere für das Fotoalbum ablichten. Heute betätigen sie sich in den meisten Städten als "2. Müllabfuhr" weil der Hunger sie dazu treibt von achtlos weggeworfenen Nahrungsmitteln unserer Wohlstandsgesellschaft zu leben. Nicht selten werden Tauben bei waghalsigen Futtersuchaktionen auf der Strasse über- oder angefahren. Nahrungsabfälle des Menschen können nicht als tierschutzgerecht angesehen werden, dadurch werden die Tauben krank und können bei Überpopulation auch Erreger über ihren Kot verbreiten.

Als durch Zucht genetisch veränderte Haustiere vermehren sich Stadttauben - im Gegensatz zu Wildtauben (Ringeltauben, Türkentauben, Hohltauben, Turteltauben) - ganzjährig (3-7 Bruten pro Jahr). Selbst ausgemergelte und hungernde Tauben brüten, sind aber nicht in der Lage, ihre Nestlinge ausreichend zu versorgen. Die Folge sind Krankheit, Parasitenbefall und Hungertod. Der Zusammenhang von hohem Nahrungsangebot und erhöhter Vermehrung, der von Verwaltungen auch immer wieder als ein Grund für absolute Fütterungsverbote angeben wird, gilt für Wildtiere. Diese können ihren Nachwuchs nach Nahrungsangebot steuern - Stadttauben, als verwilderte Haustiere, nicht. Sie brüten unabhängig von Jahreszeit und Nahrungsangebot. Ein Basler Tierversuch ergab sogar, daß hungernde Stadttauben mehr brüten als ausreichend ernährte Stadttauben. "Im Fortpflanzungsverhalten erweisen sich die Stadttauben ebenfalls als Nachfahren von Haustauben; sie sind ganzjährig fortpflanzungsbereit,..." (Wolf Herre, Manfred Röhrs: Haustiere - zoologisch gesehen, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1990)

Tauben überleben in unseren Städten unter diesen erbärmlichen Nahrungsbedingungen selten länger als 2 Jahre - obgleich sie ein Alter von 12 - 15 Jahren erreichen können. Stadttauben versuchen Verluste (Sterblichkeitsrate bei Jungtieren bis zu 90 %) durch erhöhte Produktion von Nachkommen zu kompensieren. Ein letztendlich sinnloser und lebensverachtender Kreislauf von Vernichtung und Bestandserholung entsteht. Zugeflogene verirrte Brieftauben und "entlassene" Zucht/Rassetauben, die gewohnt sind aus Menschenhand Futter zu bekommen, trifft bei einem Fütterungsverbot ein besonderes hartes Schicksal. Fütterungsverbote bewirken auch, dass den Tauben aktiv in schlimmster Weise nachgestellt wird (absichtlich überfahren, totgetreten, lebendig eingesperrt oder vergiftet). Fütterer werden beschimpft, bespitzelt, beleidigt und denunziert.

Vergrämungsmaßnahmen

Taubenabwehren wie Spikes, Dornen, Klebepasten, Glasscherben, Stromdrähte, Netze und Spanndrähte, sollen Tauben am Absitzen, Ruhen oder Nisten hindern. Es ist verständlich, daß Besitzer ihre Gebäude vor Taubenkot schützen wollen. Hierdurch werden aber die Tiere immer wieder gezwungen auf Nachbarstandorte überzugehen um dort im Dichtestress zu brüten, was auch zu einer verstärkten Kotbelastung führt. Da geeignete Nist- und Ruheplätze in der Stadt immer weniger werden, bleibt den Tauben oft keine andere Wahl, als auch in oder nahe von Vergrämungsmaßnahmen zu brüten und zu ruhen. Besonders ungeübte Jungtauben ziehen sich durch messerscharfe Abwehrvorrichtungen schwerste Verletzungen und Verstümmelungen zu. Mit tiefen Löchern im Leib, auf dem Bauch kriechend oder hinkend mit nur einem Beinstumpf muß die Taube in ihrem täglichen Überlebenskampf auf Futtersuche gehen. Im Winter wirkt Streusalz schon bei kleinsten Entzündungen wie Salzsäure. Auch haben sie gegenüber ihren Artgenossen bei der Futtersuche so gut wie keine Chance mehr, sie verhungern elend. Kostenintensive Vergrämungsmaßnahmen sind keine Lösung - sondern nur eine Verlagerung des Problems. Weiterhin werden unachtsam "entsorgte" Verpackungsmaterialen, wie Klebebänder oder (Nylon)schnüre, nicht selten zu Todesfallen (Abschnürung und Abtrennung von Gliedmaßen, Bewegungsunfähigkeit durch "Fußfesseln"). Statt kostenintensiven Gebäudereinigungen und Taubenabwehrsystemen sollten Städte, Geschäftsleute und Hauseigentümer sich lieber für die Einrichtung von betreuten Taubenschlägen einsetzen. Da Tauben sehr standorttreue Tiere sind, werden sie die meiste Zeit in ihrem Schlag verbringen, wo sie auch den größten Teil ihres Kots absetzen . Wege, Gebäude, Markisen, Innenhöfe oder Balkone werden weit weniger verschmutzt und so hohe Reinigungs- und Sanierungskosten gespart.

Tötungsmaßnahmen

Bei Maßnahmen gegen Stadttauben ist es nach § 1 TierSchG verboten, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Die Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund stellt einen Straftatbestand nach § 17 Nr. 1 TierSchG dar.

Leider versuchen noch immer Kommunen die Tiere durch Massentötungen zu reduzieren oder gar gänzlich auszurotten. Hierbei werden die Tauben vergiftet (Blausäure oder Alpha-Chloralose), abgeschossen, ausgehungert oder eingefangen. Das Einfangen (mit "fachgerechter" Tötung durch Spritze, Köpfung, Kopfabriss oder Genickbruch - und anschließender Verfütterung an Wildtiere in Zoos oder Wildparks) geschieht mit Netzen oder Käfigen (beispielsweise auf hohen Flachdächern), wo die Tiere mit Futter angelockt werden. Die Bevölkerung bekommt hiervon meist gar nichts mit. Zu den Folgen dieser Tötungsmethoden gehört auch, dass elternlose, unselbständige Jungtiere verhungern oder erfrieren. Schon wenn ein Elternteil stirbt, haben Jungtiere keine Chance zu überleben, da für die Brutpflege beide Elternteile unentbehrlich sind. Sie können dann als verwesende Tierleichen tatsächlich eine potentielle Gesundheitsgefährdung darstellen (zudem Abwandern von Parasiten, Geruchsbelästigung). Dies wird jedoch von den Verantwortlichen in Kauf genommen. Tötungsmaßnahmen sind unwirksam und unter Tierschutzgesichtspunkten abzulehnen: Bis heute ist keine Stadt bekannt die vorweisen kann, dass eine größere Taubenpopulation durch Tötung nachhaltig reduziert werden konnte. Nachweislich verringern Tötungsaktionen die Taubenpopulationen immer nur vorübergehend. Nach wenigen Wochen ist der frühere Bestand durch sogenannte "Notpopulation" der Übriggebliebenen wieder erreicht (Verjüngung der Population, die dann wiederum verstärkt fortpflanzungsfähig sind) oder hat sich gar noch vergrößert. Verwaiste Brut- und Schlafplätze werden von "frischen" zugeflogenen Tauben wieder neu besetzt.

Märchenhaftes Hanau?

Geschwächte, abgemagerte, zum Teil mit verletzten und verkrüppelten Beinen, ständig nach Futter suchende Tiere, sowie mit unzähligen, unschönen Stachel-Taubenabwehren gespickte Fenstersimse, Leuchtreklamen, Häusern und Straßenlaternen in der Innenstadt, prägen das Stadtbild. Bedingt durch das Fütterungsverbot ernähren sich die Tauben in Hanau meist von Essensresten der Menschen, die u.a. vor Bäckereien oder Imbissbuden anfallen. Auf der mühsamen Futtersuche durch die Innenstadt werden die Tiere beschimpft, gejagt oder gar getreten. Auch kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Menschen, die die Tauben als Bereicherung ihres Lebensraumes empfinden und den Taubenhassern.

Ein harmonisches Miteinander ist möglich Stadttauben - Ein Problem und eine Lösung

Da im Kampf gegen die "Taubenplage" Tötungsaktionen und Taubenpille erfolglos blieben, setzen immer mehr Kommunen auf sogenanntes "betreutes Wohnen" und Konsens mit Tierschützern.

Erfolgreich und tierschutzkonform ist das von der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben (BAG) erarbeitete und auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen und praktischen Erfahrungen basierende "Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation". Mehrere Städte - wie Augsburg, Aachen, Pforzheim, Schorndorf, Tübingen, Erlangen oder Esslingen - haben es bereits erfolgreich umgesetzt, weitere haben es in Planung und wird auch von den zuständigen Ministerien der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen empfohlen.

Das Konzept sieht die Einrichtung von kontrollierten Fütterungsplätzen sowie die Unterbringung der Tauben in Taubenschlägen oder -türmen bei Versorgung mit artgerechtem Futter vor.

  • Durch den Eieraustausch wird ein weiterer Taubenzuwachs zu fast 100 % verhindert (Bruterfolge sind ab und zu nötig).
  • Durch artgerechte Fütterung, frischem und sauberen Wasser und regelmäßiger Desinfektion der Schläge wird die Population gesund erhalten. Die Futtersuche im Stadtgebiet wird eingeschränkt, die Taubenansammlungen in hygienisch sensiblen Geschäftsbereichen wird verringert.
  • Die angebotenen Nist- und Schlafzellen sorgen für eine Entlastung der Gebäude, an denen seither genächtigt und genistet wurde. Der Taubenkot, der sonst ein Ärgernis für Hausbesitzer und Mieter darstellt, wird in den Taubenschlägen gesammelt und regelmäßig entsorgt. Das bedeutet eine erhebliche Reduzierung der Verschmutzung von Fassaden.

Grundsätzlich bedarf die Umsetzung dieses Konzepts einer Zusammenarbeit von Bürgern, Kommunen, Tierschutz und Medien.

Gerade für die Märchenstadt Hanau als Geburtsort der Gebrüder Grimm sollte es doch ein Bedürfnis sein Aschenputtels Helfern ein artgerechtes Dasein zu gewähren.

Bitte unterstützen Sie uns bei der Stadtverwaltung um dieses tierschutzgerechte Regulierungskonzept auch hier in Hanau umsetzen zu können. Zum Wohle der Bürger und Mitbewohner Stadttaube - zur Erhaltung der Lebensqualität unserer Stadt. Ein gesunder und in der Anzahl der Tauben an die Städte angepasster Taubenschwarm gehört im Grunde genommen in jedes Stadtbild.

In Esslingen hat das Taubenprojekt sehr gute Resonanzen.

Positive Bilanzen zieht auch u.a. das Uniklinikum Göttingen (http://extratip-goettingen.de/lokales/taeuben-und-menschen-sind-begeistert.html)

www.karlsruhe.de/rathaus/buergerdienste/bus/businfo/4-stadttauben Ein Blick nach Karlsruhe

http://tierrechte-wuerzburg.de/archiv.php?eintrag=16 Ein Blick nach Würzburg

www.tierschutz-wuelfrath.de/info.htm Ein Blick nach Wülfrath

www.tvgac.de/stadttauben.php und http://www.lifepr.de/pressemeldungen/menschen-fuer-tierrechte-bundesverband-der-tierversuchsgegner-ev-/boxid-24926.html Ein Blick nach Aachen - Tierversuchsgegner Aachen e.V.

http://tierrechte-wuerzburg.de/archiv.php?eintrag=16 Ein Blick nach Würzburg

www.stadttaubenkonzept.de/ Ein Blick nach Tübingen und Rottenburg

www.tvg-saar.de/modules.php?name=Sections&op=listarticles&secid=10# Ein Blick nach Saarbrücken - Tierversuchsgegner Saar e.V.

www.stadttauben-nrw.de/ Stadttaubenprojekte in NRW

http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3061006 http://www.az-badkreuznach.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=3066173 Ein Blick nach Bad Kreuznach

http://www.duesseldorfer-stadttiere.de/Stadttauben-Projekte.html Düsseldorfer Stadttiere e.V.

http://www.reutlingen.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=2310&view=publish&item=article&id=345 Ein Blick nach Reutlingen

http://www.taubenturm-witten.de/Neue_Dateien/frameset.html Ein Blick nach Witten

http://www.tierschutzverein-hagen.de/go/images/stories/zubehoer/Flyer_Taubeninfo.pdf Informationsbroschüre Stadt Hagen

http://www.esslingen.de/servlet/PB/menu/1175217/1175217.html Ein Blick nach Esslingen

http://www.kaiserslautern.de/rathaus/pressemitteilungen/02510/index.html?lang=de Ein Blick nach Kaiserslautern

http://www.gwh.de/fileadmin/dateien/gwh_aktuell/presse/PM_Taubenschlag_Sauerland_17.07.2008.pdf Ein Blick nach Wiesbaden – Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Hessen

 

 

Am 4.6.2015 meldete sich Herr Emetli beim Tierschutzverein Hanau und Umgebung e.V. und dem Stadttaubenprojekt Frankfurt. Er stand vor einem großen Problem. Herr Emetli kümmert sich um die Generalsanierung und Renovierung eines Hauses in Hanau - mehrere Wohnungen - Altbau. Als er auf den Dachboden des Hauses kam, erlebte er eine Überraschung: meterhoch der Taubendreck und Dutzende von Tauben hatten das Dachgeschoss als Taubenschlag benutzt. Da sich in den vergangenen 20 Jahren niemand darum gekümmert hatte, konnten sich die Tiere wild und unkontrolliert vermehren. Der Dachboden war idealer Unterschlupf. Doch wohin nun mit den Tauben? Herr Emetli wollte ausdrücklich eine tierfreundliche Lösung. Damit fallen natürlich Themen wie "Schädlingsbekämpfung" oder zweifelhafte Verbringungsmethoden aus. Zum Glück für die Tauben und wie schön, dass jemand ein Herz für diese Tiere am Rande der Gesellschaft hat! Frau Stürmer (Stadttaubenprojekt) und Frau Göbel (Tierschutzverein Hanau und Umgebung e.V.) überlegten nicht lang und machten Herrn Emetli folgenden Vorschlag: ein Umzug der Tauben aus dem Dachboden zum Gnadenhof nach Oberrad. Die nächsten Tage wurden die Tauben regelmäßig nach Oberrad verbracht. Mit sehr gutem Erfolg. In einer Schlussaktion wurden dann am 3.7. auch die letzten Tauben und auch ihr Nachwuchs nach Oberrad verbracht. Alle Fenster und Lücken wurden verschlossen, damit keine neuen Tauben in das Dachgeschoss einziehen können. Eine beispielhafte und tierfreundliche Aktion. Insgesamt konnten weit über 80 Tauben ein neues Zuhause in Oberrad beziehen. Leider handeln nicht alle so: wie oft werden die Tauben bei derartigen Renovierungsmaßnahmen in den Dachstühlen einfach eingesperrt (kein Einzelfall). Sie verdursten dann elendiglich. Eine andere Methode ist die - ebenfalls verbotene Methode - die Tiere auf welche Weise auch immer zu töten. Die Taube, die immer wieder an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, hat kein leichtes Leben bei uns. Obwohl das Problem der Stadttauben menschengemacht ist, erfahren die Tauben oft den Hass vieler Menschen (Stadttauben sind die Nachkommen der Felsentauben, die bei uns zu Brieftauben gezüchtet wurden - viele finden ihren Weg nicht zurück und ziehen sich und ihre Nachkommen dann in die Städte). Wenn keine Regulierungsmaßnahmen getroffen werden, vermehren sich die Tauben - insbesondere auch wenn sie hungern, völlig unkontrolliert (jedesTaubenpärchen kann alle paar Wochen mindestens zwei Eier legen - nicht so wie bei vielen Wildvögeln, die z.B. nur einmal im Jahr brüten). Bilder: 313 Haus in der Alfred Delp Strasse während der Renovierung 338 Tauben im Dachboden vor der Verbringung 344 neue Heimat in Oberrad - es wurde extra eine neue Voliere angelegt 351 und 356 Alpay Emetli und Helma Göbel mit Taubenküken, die ebenfalls nach Oberrad umgesiedelt wurden 357 alle Fenster und Lücken wurden nach der Aktion verschlossen, damit keine neuen Tauben in das Dachgeschoss einziehen können.

Haus in der Alfred-Delp-Str. während der Renovierung
Haus in der Alfred-Delp-Str. während der Renovierung
Tauben im Dachboden vor der Verbringung
Tauben im Dachboden vor der Verbringung
Alpay Emetli und Helma Göbel mit Taubenküken, die ebenfalls nach Oberrad
umgesiedelt wurden
Alpay Emetli und Helma Göbel mit Taubenküken, die ebenfalls nach Oberrad umgesiedelt wurden
neue Heimat in Oberrad - es wurde extra eine neue Voliere angelegt
neue Heimat in Oberrad - es wurde extra eine neue Voliere angelegt
alle Fenster und Lücken wurden nach der Aktion verschlossen, damit keine neuen Tauben in
das Dachgeschoss einziehen können
alle Fenster und Lücken wurden nach der Aktion verschlossen, damit keine neuen Tauben in das Dachgeschoss einziehen können

Konzept der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben - Fakten / Problemlösung / Projekte

 

Alle Bilder von Holger Gross wurden in Hanau gemacht!





 

 

© Tierschutzverein Hanau und Umgebung e.V. - 2015 - Wir sind Mitglied im Deutschen Tierschutzbund und Landestierschutzverband Hessen