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Die Taube in der Stadt

Was habe ich Dir "Du Mensch" nur angetan, daß Du mich so grauenvoll behandelst?

Wenn ich Hunger habe und Dich um ein Krümelchen Brot bitte, bekomme ich einen Tritt von Dir. Du willst mich absichtlich verhungern lassen!

Wenn ich an Deinem Hause schlafen oder mich ausruhen möchte, attackierst Du mich mit spitzen Dolchen, durch die ich meine Zehen und Beinchen verliere!

Skulpturen und Säulen, ja sogar ganze Häuserfronten, hast Du mit Netzen überspannt, die oftmals lose herumhängen, in denen ich mich verfange und dann langsam grauenvoll sterbe.

Meine Sitzmöglichkeiten hast Du oft auch mit Glasscherben bespickt, durch die ich mir meinen Rumpf aufschlitze und meine Füßchen verletze.

Du schießt auf mich und triffst mich nicht immer gleich tödlich. Das Geschoß steckt in meinem Körper oder in meinem Flügel. Ich kann dann nicht mehr fliegen und muß irgendwo zusammengekauert tagelang auf den Tod warten.

Du vergiftest mich mit Blausäure, wodurch ich äußerst qualvoll ersticke.

Du betäubst mich mit Chloralose und sollte ich wieder aufwachen, wirfst Du mich den Raubtieren zum Fraß vor.

Bei all' dem was Du mir antust, denkst Du nicht an meine Kinder, die vergebens auf die Eltern warten und infolgedessen ebenfalls grauenvoll sterben müssen!

Dein Blick ist böse, wenn Du mich nur ansiehst. Warum haßt Du mich so, Du hast mich doch einmal geliebt!

 

©Sonja Roster (Tierschützerin und Autorin "Der Krieg mit den Friedensvögeln - Eine Dokumentation über den Umgang mit Menschen und Tauben")





 

 

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